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Klimakrise & Design? Eine Ausstellung gibt Anregungen für einen nachhaltigen Lebensstil

Aktualisiert: Jan 18


Das Wiener Designstudios EOOS (Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl) entwirft Bilder und Geschichten einer neuen Lebensweise, mit der wir zum Stopp der Ausbeutung von Ressourcen, zur Reduktion schädlicher Emissionen und damit zur Entschärfung der Zeitbombe Klimakrise beitragen können. © Esel.at

Der durchschnittliche Stromverbrauch eines Haushaltes beträgt 3.000 Kilowattstunden im Jahr. Die Jahresenergieproduktion einer Solarfläche von einem Quadratmeter beträgt ca. 100 Kilowattstunden. Die Anzahl der benötigten Solarpaneele: 30 Stück.


So steht es in hellblauen Klebebuchstaben auf schwarzem Boden, von oben mit einem Spot beleuchtet. Daneben 30 Quadrate, ebenfalls am Boden aufgeklebt. Es ist eines jener schlichten, aber einprägsamen Gestaltungselemente in der Ausstellung „KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft“, die im Rahmen der Vienna Biennale for Change 2019 im MAK Museum für angewandte Kunst Wien zu sehen war.


„Im Design sind dringend neue Strategien gefordert, um den notwendigen Wandel von einer Kultur des Massenkonsums in eine Qualitätsgesellschaft zu vollziehen. Die von EOOS entwickelten Projekte stellen den Status Quo in Frage und schlagen neue Alternativen dazu vor“, so Harald Gruendl von EOOS. Social Vehicle, 2019 © Stefan Lux/MAK

In dem dunkel gehaltenen Ausstellungsraum stehen genau fünf Objekte, wie Erscheinungen aus dem Nichts dramatisch beleuchtet. Es sind allesamt Prototypen des Designstudios EOOS, das die gesamte Ausstellung konzipiert und gestaltet hat: Ein „Social Vehicle“ mit einem solarbetriebenen Kraftwerk am Dach, eine „BürgerInnensteckdose“, ein Kühlschrank „Greeenfrieze 2“, eine „Küchenkuh“, eine Mondlandefähre. Jeder der Prototypen zeigt alternative Lösungsansätze für einen neuen Lifestyle auf, um aus unserer gegenwärtigen Energie- und Klimakrise zu kommen.

Das Social Vehicle ist der Entwurf für ein kompaktes, modulares Elektro-Leichtfahrzeug mit wechselbarer Batterie im Tauschsystem. Eine Open-Design-Lizenz soll ermöglichen, dass es in lokalen Werkstätten gebaut und repariert werden kann. Auf dem Dach kann zudem ein solarbetriebenes Modul installiert werden, das in der nicht genutzten Zeit Strom erzeugt. Mit der „Küchenkuh“ wird die Möglichkeit getestet, aus Nahrungsabfällen Energie zum Kochen zu produzieren. Die Abfälle, die in einem in eine Werkbank eingebauten Trichter landen, werden mittels einer Kurbel zerkleinert und gelangen in einen gläsernen „Magen“, wo sie fermentiert und zu Biogas umgewandelt werden.


Das bei Besuchern wohl beliebteste Objekt ist der klimaschonende Kühlschrank „Greenfrieze 2“, nicht zuletzt, weil er mit seinem Holzkorpus, dem Innenleben aus Schafwolle und dem Modularsystem – auch das Kühlaggregat ist modular - ein schickes Küchenmöbel ergibt. Die ausgestellte Variante besteht aus drei Elementen: für frische Lebensmittel, für länger haltbare Lebensmittel und einer Box für Getränke. Als Transformationsdesign bezeichnen EOOS ihren Beitrag zum Wandel. 


„Ganz viele Menschen überlegen heute, wie sie einen Beitrag zu einem positiven Wandel leisten können. Ich sehe da zwei grundsätzliche Möglichkeiten: entweder im Rahmen eines zivilgesellschaftlichen Engagements, oder im Rahmen meines Berufes. Für mich als Designer wähle ich die zweite Möglichkeit. Ich will meinen Beitrag in meinen Beruf integrieren und gesellschaftliche Veränderung als Motivation nehmen, innovativ zu sein, Dinge neu zu denken. Das ist das Potenzial von Gestaltung. Was wir bei EOOS besonders gut können, sind Geschichten, intuitive Bilder, Rituale zu nutzen, damit zu arbeiten. Das ist unser Zugang zu Design. Ein transitorisches Ritual, ein Ritual das uns von A nach B bringt, dieser Gedanke liegt auch hinter dieser Ausstellung.“

So Harald Gründl, einer der drei Gründer von EOOS, im Gespräch. 

Was kann so eine Ausstellung bewirken, und warum in einem Museum, frage ich nach.


„Es macht einen Unterschied, ob ich solche Entwürfe bei einem Kunden am Tisch lege und dann wieder mitnehme, oder sie im Kontext einer Kunstinstitution zeige. Die Kontextualisierung ist eine entscheidende Frage dafür, ob ich Ideen weiterbringen kann oder nicht – der Kontext kann helfen oder schaden. Der Kontext eines Museums macht für uns den Handlungsspielraum auf. Denn wir müssen uns alle fragen, welche Institutionen brauchen wir heute, um unsere Zukunft zu diskutieren?“


Das Museum für angewandte Kunst kann so eine Institution sein. Sein Gründungsgedanke war, ein Dienstleistungsunternehmen für das Kunsthandwerk zu sein. Diese Rolle kann heute neu interpretiert werden mit Ausstellungen und Initiativen wie der Vienna Biennale for Change.  Zudem ist ein Museum ein „sicherer“ Ort für den Diskurs. Das macht vieles möglich, das so in der Wirklichkeit nur eingeschränkt möglich wäre. Die Objekte in der Ausstellung von EOOS bewegen sich daher auch bewusst außerhalb des „normalen“ Kontextes, in dem das Studio als kommerzielles Designbüro arbeitet. Sie stellen gängige Geschäftsmodelle eines Massenkonsums radikal in Frage. Sie sind Interventionen, um Menschen mit einer möglichen Zukunft zu konfrontieren.



Der Umkehrschwung von „weltzerstörerischer" – aktuell – auf zukunftsfähige Lebensweise gelingt nicht nur unter Anleitung der Designer. Sondern vor allem durch den Antrieb jedes Einzelnen in sich selbst. © EOOS

Wie kommt das bei den Kunden an? Was kann man bei seinen Kunden verändern und bewirken? „Es braucht im Diskurs einen langen Atem. Aber man kann Kunden durchaus begeistern für ein sich veränderndes Paradigma, um darin ein Potenzial zu sehen, das eigene Geschäft nachhaltiger zu gestalten. Das kann man sehr wohl bewirken.“  

Harald Gründl führt auch gerne und oft selber durch die Ausstellung, um möglichst breites feedback zu bekommen - von Schulgruppen bis zu Unternehmen mit seinen MitarbeiterInnen. 


„Es gibt keine Voreingenommenheit, alle können sich gut auf unsere Gedankenexperimente einlassen. Eine Frage die oft kommt, ist: Was wird das kosten? Und was ebenfalls oft gefragt wird: Warum gibt es das noch nicht? Das ist doch ermunternd!“


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