• doris rothauer

Everyone a Changemaker!

Aktualisiert: 8. Juni 2019

Wirkungsorientierung und Social Impact im Zeichen gesellschaftlicher Veränderung.


Das Centre for Social Innovation ist ein Coworking Space in New York, der Change Maker aus dem Sozial- und Kulturbereich vernetzt. Foto: Doris Rothauer

Stell dir eine Welt vor, in der jeder Mensch, unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe und kulturellem Background, unabhängig von Macht- und Sozialstatus, einen wichtigen Beitrag leistet zu einem positiven Gesellschaftswandel, sprich zur Lösung jener Probleme, die unseren Planeten und unsere Gesellschaft bedrohen. Diese Vision hatte der Amerikaner und Harvard-Absolvent Bill Drayton, als er 1981 Ashoka gründete, ein Netzwerk zur Unterstützung von Sozialunternehmertum. Everyone a Changemaker, war seine Mission.


“What is Ashoka? The million Dollar question. Ashoka is impact, is changing the system.”

Hier gibt's die Ashoka-Story in einem Video zusammen gefasst:


Mittlerweile sind 3.500 Sozialunternehmer in 92 Ländern Fellows von Ashoka. Die Netzwerkorganisation hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich auch größere Wirtschaftsunternehmen, Universitäten und Institutionen der öffentlichen Hand immer mehr dem Sozialunternehmertum widmen.


Alles wird dem Wachstum untergeordnet


Unsere Wirtschaft und Arbeitsgesellschaft war im 20. Jahrhundert von zwei Paradigmen geprägt: Wachstum und Messbarkeit. Das hat einen noch nie dagewesenen Entwicklungs- und Wohlstand in den Industrieländern gebracht. Dennoch scheinen wir heute damit an soziale und ökologische Grenzen gekommen zu sein, die unendliche Fortführung wird zunehmend hinterfragt. Auf wessen Kosten und mit welchen Konsequenzen können wir weiterhin die Produktivität erhöhen, dem Leistungsdruck folgen, die Ressourcen ausbeuten?


Für Changemaker ebenso wie für Sozialunternehmer steht die Wirkung dessen, was man tut, an erster Stelle, nicht der Profit. Es geht darum, mit unternehmerischen Mitteln eine nachhaltige Verbesserung von Lebens- und Arbeitssituationen zu erreichen – einen Social Impact. In Zeiten steigender Unzufriedenheit und Ungleichheit stößt die Social-Entrepreneurship-Bewegung auf fruchtbaren Boden.


Im Discovery Center der Bill & Melinda Gates Foundation in Seattle werden Besucher durch interaktive Medien und Installationen motiviert, sich als Change Maker zu engagieren. Die Action Cards geben einfache Tipps, wie das auch im Alltagsleben funktionieren kann. Foto: Doris Rothauer

Was hat das mit Kulturinstitutionen und Museen zu tun?


Museums as Changemaker Institutions - könnte die Antwort beziehungsweise Forderung lauten.


Denn was für viele Bereiche in der Gesellschaft, allen voran die Wirtschaft zunehmend gilt, sollte auch für den Kunst- und Kulturbereich gelten: Business as usual geht nicht mehr.


Statt reiner Leistungsorientierung (output) muss es um Wirkungsorientierung (outcome) und um einen Beitrag zu einem positiven Gesellschaftswandel (social impact) gehen.



Wirkungsorientiert zu agieren heißt, den Fokus von den Aktivitäten (Output) hin zur Wirkung der Aktivitäten (Outcome) sowie der gesellschaftlichen Wirkung (Impact) zu verlagern. Die Darstellung der Wirkungstreppe hilft dabei, Wirkung zu definieren. Illustration: Doris Rothauer

Ähnlich hat es die britische Museums Association bereits 2013 in einer Studie mit dem Titel Museums Change Lives formuliert:


Museums change lives is the Museums Association´s vision for the increased social impact of museums. It demonstrates that museums can be ambitious about their role in society. All museums, however they are funded and whatever their subject matter, can support positive social change.”

In der Studie werden drei Bereiche definiert und mit Best-Practice Beispielen untermauert, die auf den social Impact von Museen abzielen:

  • Wellbeing: looks at the way museums make a difference to individuals.

  • Create better places: encompasses museums´ contribution to communities and the environment.

  • Inspire people and ideas: includes impacts on learning and contemporary thought.


Wirkung zielt auf eine Veränderung ab


Wirkung zielt auf eine Veränderung ab, Social Impact zielt auf eine positive Veränderung im sozial-gesellschaftlichen Sinn. Was der Begriff Wirkung im Kontext von Kunst bedeuten kann, erläuterte vor kurzem in einem Radio-Interview der Philosoph und Ästethikprofessor Bazon Brock, der sich selbst als Denker im Dienst bezeichnet, anhand der Arbeistweise von Künstlern:


„Künstler verstehen das, was sich ereignet, in Hinblick auf seine Wirksamkeit zu sehen, nämlich die Veränderung der Vergangenheit. Mit anderen Worten: Ich glaube eine bestimmte Vergangenheit zu haben, die Kultur zu der ich gehöre, die Geschichte, aus der ich hervorgegangen bin, etc. Durch die Arbeit der Künstler werde ich plötzlich gezwungen, dieses Gewesene ganz anders zu bewerten. Ein Künstler zwingt mich dazu, etwas für selbstverständlich Gehaltenes mit anderen Augen zu sehen (...). Darin besteht die Macht des Künstlers.“

Für die Solarlampe Little Sun hat der Künstler Olafur Eliasson, der zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart zählt, ein eigenes Sozialunternehmen gegründet. Seine Vision ist es, Millionen von Menschen, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, mit Licht zu versorgen.

Die Bandbreite an Themen und Möglichkeiten für Kulturinstitutionen, wirkungsorientiert zu agieren, ist groß. Die Realität hinkt solchen Visionen aber noch weit hinten nach. Denn es bedarf eines massiven Umdenkens in Museen, zum Beispiel:

  • Sich selbst in Frage zu stellen und zu reflektieren;

  • Ressourcen umverteilen und auf Outcome statt Output zu fokussieren;

  • Sich auf Augenhöhe mit dem Besucher begeben;

  • Sich zu öffnen gegenüber dem Umfeld und Partizipation zu ermöglichen;

  • neue interdisziplinäre Partnerschaften für Co-Creation zu schließen;

  • neue Formen von Leadership und Organisationsentwicklung zu erproben;

  • Neue Erfolgskriterien zu definieren und ein entsprechendes Storytelling zu implementieren.


Impact muss als Vision und die Wirkungsorientierung als strategische Kernaufgabe gesehen werden, als Teil der Identität und Mission, und nicht als Deckmantel über einzelnen Aktivitäten.


Die gute Nachricht: zumindest der Diskurs darüber ist bereits voll im Gange, blickt man etwa auf diverse Blogs oder Fachsymposien, wie zum Beispiel die Jahreskonferenz 2018 der Museums Association in Belfast „Dissent: Inspiring Hope - Embracing Change“ oder die NEMO-Konferenz 2018 in Malta „Museums out of the Box! The crossover impact of museums“. Hierzulande geht der Österreichische Museumsbund mit der Juni-Ausgabe 2019 seiner Zeitschrift neuesmuseum der Frage „Social Engagement. Das Museum als soziales Wesen?“ nach (zum Zeitpunkt dieses posts noch nicht erschienen).


Um nochmals auf Bill Drayton zurückzukommen: In einem New York Times Artikel vom 8. Februar 2018 beschreibt er Changemaker als


„people who can see the patterns around them, identify the problems in any situation, figure out ways to solve the problem, organize fluid teams, lead collective action and then continually adapt as situations change”. Die Voraussetzung dafür sei ein entsprechendes mindset: “a cognitive empathy-based living for the good of all.”

Ziel muss sein, so Drayton, “to make this changemaking mentality universal“.


Museen bestehen aus Menschen und deren mindset, deren Visionen, Werten und Haltungen. Wir setzen uns dafür ein, die changemaking mentality auch in Museen und Kulturinstitutionen zu verankern und die Menschen dabei zu unterstützen!


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